27. Februar 2010 - 13:13 Uhr

„Was bringt ein Kunstrasenplatz, wenn dieser nicht geräumt wird?“

Zwar hat in diesen Tagen das Tauwetter in Flensburg und Umgebung eingesetzt, dennoch liegen die Fußballplätze der Region weiterhin unter einer dicken Schneedecke. Äußerst hart trifft der Chaoswinter jene Vereine, die leistungsorientiert arbeiten. Besonders deutlich werden die Probleme bei Flensburg 08, dem seit Jahren erfolgreichsten Verein in der regionalen Jugendarbeit. Da im Flensburger Stadion seit Wochen sämtliche Plätze gesperrt sind, kommen auf den Traditionsverein erhebliche Zusatzkosten zu.

„Für die A-, B- und C-Jugend hat dieser Winter bestimmt schon über 1.000 Euro gekostet“, sagt 08-Jugendkoordinator Gerwin Jannsen. Ein besonderes Lob zollte Jannsen den Trainern und Betreuern im Verein, die mit viel Einsatz und Eigeninitiative für alternative Trainingsmöglichkeiten sorgen. Ob Soccer-Arena, Schwimmen, Boxen, Badminton oder Spinning, alles wird unternommen, um die 08-Nachwuchsspieler bei Laune zu halten. „Diese Aktivitäten müssen leider alle aus eigener Tasche bezahlt werden“, so Jannsen. Nicht unerheblich, wenn man überlegt, dass allein ein 90-minütiges Training in der Soccer-Arena rund 100 Euro kostet.

Großes Kopfzerbrechen bereitet Jannsen sowie dem gesamten Verein derzeit die Situation im Flensburger Stadion. Selbst der im letzten Jahr erbaute Kunstrasenplatz ist nicht bespielbar. „Was bringt uns ein Kunstrasenplatz, wenn dieser nicht gepflegt und geräumt wird“, nimmt Jannsen auch den Trägerverein des Flensburger Stadions in die Pflicht. In der Tat liegt auf dem Platz seit Wochen eine dicke Schneeschicht. Für einen Verein, der leistungsorientiert arbeiten möchte zu wenig, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Schließlich wurden vielerorts die Plätze vom Schnee befreit, sodass zumindest ein halbwegs vernünftiges Training möglich ist. „Wir würden bei Räumaktionen im Stadion selbstverständlich auch mit Hand anlegen, dafür benötigen wir aber überhaupt erstmal ein Feedback vom Trägerverein“, sagt Jannsen.

Um nicht gänzlich ohne Vorbereitung am runden Leder in die Rückrunde starten zu müssen, mieten die Jugendmannschaften von 08 Plätze und Hallen in der Region, vor allem in Dänemark an. Jannsen berichtet, dass die 08-Vereinsbusse derzeit mehr Kilometer zurücklegen, als in Hochzeiten des Punktspielbetriebes, nur um vernünftige Trainingsbedingungen vorzufinden. Dies bringt nochmals erheblich Kosten für Verein und Jugendmannschaften.

Selbstverständlich ist auch Jannsen klar, „dass so ein Winter höhere Gewalt ist und wohl nur alle 30 Jahre kommt.“ Dennoch erhofft sich der Jugendkoordinator in diesen Zeiten mehr Unterstützung von der Stadt und vor allem vom Trägerverein des Stadions. Verständlich, wenn man bedenkt, dass Flensburg 08 Hauptnutzer des Stadions ist und seit Jahren mit Spielen gegen Bundesligisten sowie der Veranstaltung von Jugendländerspielen für die Hauptattraktionen im Stadion sorgt. Mit einem geregelten Punktspielbetrieb rechnet Jannsen erst in drei bis vier Wochen: „Vielleicht wird selbst über Ostern nicht gespielt werden können.“

Julian Heldt

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