14. Januar 2012 - 14:04 Uhr

Nach tödlichem Zugunglück beginnt die Bergung

Ein Mann wurde bei dem Unfall am Freitag getötet (Foto:Benjamin Nolte)
Der Steuerwagen kippte vom Bahndamm (Foto:Benjamin Nolte)
Die Bahn war mit einer Rinderherde kollidiert (Foto:Benjamin Nolte)
Das Gleisbett hat sich um fast 1,50 Meter verschoben (Foto:Benjamin Nolte)
Die Bahnstrecke ist bis auf weiteres in dem Bereich gesperrt (Foto:Benjamin Nolte9
Bargum (bno) - Es geschah am Freitagnachmittag gegen 17.45 Uhr. Ein Zug der Nord-Ostsee-Bahn war auf der Strecke Westerland - Husum unterwegs als er Triebwagenführer plötzlich vor sich auf den Gleisen eine Rinderherde entdeckte. Trotz sofortiger Notbremsung kam es zur folgenschweren Kollision. Durch die Wucht des Aufpralls sprangen der vordere Steuerwagen und ein weiterer Wagen aus dem Gleis. Der Steuerwagen des Zuges wurde durch den Aufprall um die eigene Achse gedreht, riss ab und stürzte entgegengesetzt zur Fahrtrichtung vom Bahndamm.

Bei dem Unfall wurde eine Person getötet, mindestens zwei weitere wurden Verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Nach den ersten Notrufen löste die Rettungsleitstelle in Harrislee umgehend Großalarm aus. Aus dem ganzen Kreis Nordfriesland und dem benachbarten Schleswig-Flensburg eilten alle verfügbaren Rettungsmittel an den Unglücksort. Mehrere Rettungshubschrauber aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen wurden vorsorglich angefordert, konnten jedoch später den Anflug abbrechen.

38-jähriger stirbt

Etwa 150 Kameraden der Feuerwehr waren vor Ort und befreiten die 23 Fahrgäste aus dem Zug. Die Reisenden wurden in einem nahe gelegenen Hotel betreut und versorgt. Für eine 38-jährigen Mann, der vermutlich aus dem Zug geschleudert worden war, kam jede Hilfe zu spät, ein Notarzt konnte nur noch seinen Tod feststellen.

Das Gleis und Gleisbett sind an einigen Stellen um bis zu 1,50 Meter verschoben und stark verformt, die Kräfte die bei dem Unglück gewirkt haben, waren enorm. Das ganze Ausmaß der Katastrophe war erst bei Tagesanbruch sichtbar. Etwa 15 Tierkadaver lagen verteilt auf und neben dem Bahndamm. Nach ersten Erkenntnissen war die Herde einem Bauern aus seinem Stall ausgebrochen und auf die Gleise gelaufen. Rund ein Dutzend weitere Tiere konnten von der Feuerwehr eingefangen werden.

Schwierige Bergung

Noch in den Abendstunden wurden die Feuerwehrkräfte durch das Technische Hilfswerk (THW) abgelöst. Das THW wurde von der Bahn mit der Bergung der rund 40 Tonnen schweren Waggons beauftragt. Problematisch ist der aufgeweichte und durch den umherschleudernden Steuerwagen aufgewülte Untergrund. So musste eine Baufirma am Samstag zunächst damit beginnen die Straße zu befestigen und an einigen Stellen zu verbreitern, so dass zwei angeforderte 100 Tonnen Kräne an die Unglücksstelle gelangen können. Zunächst soll der noch auf dem Bahndamm, aber entgleiste, Wagen von den restlichen getrennt und auf einen Tieflader gehoben werden. Im zweiten Schritt wird dann der Steuerwagen geborgen. Unklar ist auch ob sich womöglich unter dem Steuerwagen weitere Opfer befinden, vermisst wird nach ersten Erkenntnissen aber keiner.

Ermittlungsarbeit aufgenommen

Bereits am Abend rückten Ermittler der Bundespolizei und Spezialisten der Bahn an um erste Ermittlungen aufzunehmen. Den ganzen Abend und Samstagvormittag wurde die Unglücksstelle am Boden und auch aus der Luft mit einem Hubschrauber genau unter die Lupe genommen. Einzelheiten zur Identität des Toten wollte die Bundespolizei noch nicht mitteilen, fest steht aber mittlerweile wohl, dass der Mann im Zug gewesen ist. Zunächst gab es auch die Theorie, dass es sich um einen Spaziergänger handelt, der auf dem Weg neben dem Damm unterwegs gewesen sein könnte.


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