10. Juli 2008 - 0:00 Uhr

Dr. Tim Zidorn - Ein Leben zwischen Familie, Arzt und dem Triathlon

Dr. Tim Zidorn (re) mit dem Sieger des Iron Man Hawaii Chris McCormack

Am 3. August fällt zum siebten Mal der Startschuss für den OstseeMan in Glücksburg. Der gebürtige Flensburger und praktizierende Orthopäde mit eigener Praxis in Flensburg Dr. med. Tim Zidorn geht dieses Jahr bereits zum sechsten Mal an den Start. Benjamin Nolte befragte den Leistungssportler, Mediziner und Vater dreier Kinder zu dem aktuellen Stand der Vorbereitungen auf den OstseeMan und anderen Themen rund um den Triathlonsport.


Nolte: Wie oft haben Sie in Glücksburg schon am Triathlon teilgenommen?


Zidorn: Es ist die sechste Teilnahme, im ersten Jahr war ich nur Zuschauer und konnte auch nicht, ich war zu einer Fortbildung. Ich habe mir noch den Start angeguckt und musste dann los. Am Nachmittag kam ich dann wieder und war so begeistert, dass die immer noch dabei waren und habe mir gedacht, das machst du auch mal. Beim zweiten Mal habe ich dann so angefangen, wie die meisten anfangen, als Staffelteilnehmer, bin Fahrrad gefahren, was recht gut geklappt hat und dann will man natürlich auch irgendwann alles machen.


Nolte: Wo haben Sie schon teilgenommen und was waren Ihre bisherigen Erfolge?


Zidorn: Was heißt Erfolge, ein Erfolg ist es meistens schon da durchzukommen. Erfolge würde ich sagen, waren zwei Teilnahmen am New York Marathon und beim vorletzten OstseeMan war der Start mit der Norddeutschen Meisterschaft verbunden, da bin ich Norddeutscher Meister in meiner Altersklasse geworden. Und in diesem Jahr bin ich bei der Half-Iron-Man-Weltmeisterschaft auf Hawaii von den Internationalen Startern in meiner Altersklasse Zweiter geworden. In der Gesamtwertung bin ich 150er geworden, bei rund 1400 Teilnehmern. Mit dem zweiten Platz International habe ich einen sogenannten „Slot“ gekriegt für die Weltmeisterschaft in Florida, die WM würde im November stattfinden, aber da kann ich beruflich bedingt nicht starten. Ich kann nicht zwei Events solcher Größenordnung im Jahr machen, denn das bedeutet für mich immer die Praxis zu schließen, was nicht geht, oder eine Vertretung zu organisieren, was schwierig ist. Und auch familiär ist das schwierig, ich hab drei Kinder, meine Tochter geht zwar studieren, aber meine beiden Jungs leben beide bei mir.


Nolte: Es sind nun nicht einmal mehr vier Wochen bis zum Start des 7. OstseeMan in Glücksburg. Wie ist bei Ihnen der Stand der Vorbereitungen und wie lässt sich das überhaupt mit der Arbeit in der Praxis vereinbaren?


Zidorn: Schwer! Im Grunde ist das jetzt die heiße Phase, aber ich hatte am Wochenende eine Fortbildung, Freitag, Samstag und Sonntag, da ist dann ein ganzes Wochenende hinüber. Das Wochenende davor war ich mit meiner Tochter, die gerade Abitur gemacht hat, in Wolfsburg bei VW, ihr Auto abholen. Das Wochenende fehlte dann auch. Es gibt im Leben eines Vaters wichtigere Dinge als der Sport. Dadurch, dass mir jetzt natürlich zwei Wochenenden komplett fehlen, ist das so, dass das für eine optimale Trainingsvorbereitung natürlich suboptimal ist, aber bei mir ist das so, das ich, da ich es nun schon oft gemacht habe, nicht nervös werde. Ich denke mal, wenn man grundsätzlich austrainiert ist, ich mache jetzt 35 Jahre Leistungssport, zwar nicht Triathlon aber Sport, ist eine gewisse Basis immer da. Ich mach den Sport auch nicht unbedingt um Erster zu werden, was ja für manche das Ziel ist, aus dem Alter, sag ich mal, bin ich raus und es ist bei mir auch sehr schwer mit meinem Beruf zu vereinbaren. So ein Training würde ich Leistungstechnisch sicherlich schaffen, Training ist für mich immer eine Art Belohnung, es ist der Ausgleich zur Arbeit, aber die Wirklichkeit stellt einem Oft Beine und wirft sich dazwischen.
Aber ich habe es zum Beispiel so gemacht , dass ich bei meiner Fortbildung am letzten Wochenende, die in Damp war, morgens um fünf aufgestanden bin und mit dem Fahrrad nach Damp fuhr, dass sind immerhin auch 60km. Habe dort die Fortbildung gemacht und bin dann abends entsprechend wieder mit dem Fahrrad zurückgefahren. Und so versuche ich halt beides zu vereinbaren. Gestern hatte ich meinen Praxistag bis halb sieben, bin sofort ins Auto und nach Tarp gefahren und hab dort dreitausend Meter auf der Freibahn geschwommen. Direkt im Anschluss hatte ich einen Termin mit einem Kollegen, der mich in der Praxis vertreten hatte, während ich auf Hawaii war. Zeitmanagement ist hier das Stichwort.


Nolte: Joseph Spindler, der Letztjahreszweite hat uns erzählt, dass er jede Woche 400-600 Kilometer Fahrrad fährt, etwa 80 Kilometer läuft und gute 15 Kilometer schwimmt. So ein Trainingspensum bleibt den Profis vorbehalten, weil Ihnen dafür einfach die Zeit fehlt?


Zidorn: Ja, da fehlt einfach die Zeit für. So etwas ist wünschenswert, aber selbst bei uns, bei den Amateuren von Trias-Flensburg gibt es einige, die solche Trainingsumfänge machen und fahren. Bei mir ist es zum Beispiel so, ich schaffe es ungefähr 100 Kilometer Rad zu fahren, laufe 20 Kilometer in der Woche und schwimme je nach Zeit 3-6 Kilometer. Das sind verhältnismäßig bescheidene Umfänge, gegenüber den Trainingsumfängen der Profis, aber dafür denke ich, dass das Ergebnis was da noch rauskommt, gar nicht so schlecht ist.


Nolte: Wie ist denn Ihre persönliche Bestzeit in Glücksburg?


Zidorn: Die liegt bei knapp unter 10:50 Std, 10:49 Std müsste das sein. Für meine Altersklasse ist das denke ich mal recht gut. Natürlich nicht zu vergleichen mit einem Joseph Spindler oder Matthias Klumpp, der auch in Frankfurt bei den Profis startet oder auf Hawaii, dass sind ja voll austrainierte Profiathleten. Die trainieren dann auch leicht mal sechs Stunden am Tag, denn das Ziel für zum Beispiel diese beiden ist es, bei einer solchen Veranstaltung zu gewinnen. Für mich ist das eher eine Aufgabe durchzukommen, gegen sich selbst zu kämpfen und dann ist es für mich hier oben auch was ganz besonderes, ich bin gebürtiger Flensburger, habe die Patienten, Freunde und Bekannte, die an der Strecke stehen, es ist meine „Hausstrecke“! Ich wohne in Glücksburg und insofern gibt’s nichts Schöneres als in Glücksburg zu starten. Es ist auch eine unheimlich familiäre und nette Atmosphäre, daran hat Herr Husen sicherlich einen großen Anteil.


Nolte: Was ist ihr Favorit unter den drei Disziplinen?


Zidorn: Das Radfahren! Das ist ganz einfach, ich bin 80kg schwer, bei 1,77m Körpergröße vereinbart sich das schon einmal nicht mit dem Laufen. Das heißt ich habe beim Laufen am Ende Mühe mit meinem Gewicht, gut, zum Wettkampf ist man bedingt durch das lange Training im Vorfelde 3-5 Kilogramm leichter, aber trotzdem. Beim Radfahren ist das wiederum ein Vorteil, weil man mehr Druck auf die Pedale hat und Gewicht in Kraft umsetzen kann.


Nolte: Der OstseeMan findet dieses Jahr zum siebten Mal statt. 2002 gingen 78 Einzelstarter an den Start und dieses Jahr ist der die Veranstaltung mit 500 Einzelstartern und 200 Staffeln an ihre logistischen Grenzen gestoßen. Wie sehen Sie diese Entwicklung und verändert sich auch für den einzelnen Sportler mit steigenden Zuschauerzahlen etwas?


Zidorn: Ja natürlich. Man merkt einmal, dass die Veranstaltung jetzt etabliert ist, alles klappt ausgezeichnet, mit den Getränkestationen, mit den Sanitäranlagen, mit der Organisation, es ist einfach alles eingefahren und man merkt natürlich, dass die Veranstaltung an der Kapazitätsgrenze ist. Es werden mehrere Runden Rad gefahren und mehrere Runden gelaufen, dass heißt, es gibt auf der Laufstrecke zum Beispiel eine Begegnungsstrecke, wenn da jetzt noch mehr Teilnehmer hinzukommen, dann kommt es irgendwann zu Unfällen. Auf dem Rad ist es für uns streng verboten im Windschatten zu fahren, wir müssen eine sogenannte „Box“ halten, also Abstand halten, drei Radlängen nach hinten und nach vorne, je mehr Teilnehmer, desto schwieriger wird das. Dann ist natürlich das ganze besondere an Glücksburg, für Sportler und Zuschauer gleichermaßen, dass wir eine Zone haben, wir kommen morgens auf den Rasen zwischen Intermar und Strandhotel an, alle stehen um einen herum. Dann geht man ins Wasser, kommt wieder an dieser Stelle raus, steigt aufs Rad und fährt die Runden, kommt aber immer wieder durch diese „Tour de France Gasse“, wo die ganzen Zuschauer stehen. Beim Laufen ist es genau so, man holt sich in dieser Zone jedes Mal einen Motivationsschub und für die Zuschauer ist es auch nicht ganz langweilig, woanders sehen sie ihren Liebling vielleicht 4-5 Stunden gar nicht und hier kommt er in jeder Runde wieder vorbei. Aber diese Wechselzone, die auch landschaftsmäßig sehr schön liegt, ist natürlich begrenzt, da kann man gar nicht mehr Räder hinstellen. Ich denke mal, wenn Herr Husen alle Teilnehmer annehmen würde, dass wir die tausend dieses Jahr sicherlich gesprengt hätten. Und da muss man natürlich überlegen, ob man den familiären Charakter beibehält oder ob man sich mit den Großen wie Roth oder Frankfurt messen will. Ich denke, dass es gut ist, dass die Veranstaltung so limitiert ist und diesen Charakter behält.


Nolte: Wie sind Sie zu dieser Sportart gekommen? Gab es irgendein Erlebnis oder Ereignis, dass Sie bewegt hat Triathlet zu werden?


Zidorn: Es gab mal einen Grund, meine erste Veranstaltung war in Kiel, ich habe da studiert und wollte da einfach mal teilnehmen. War mal so eine verrückte Aktion. Und dann gab es ganz früher mal einen Triathlon in Glücksburg, wo ich als Zuschauer war und der hat mich so begeistert, dass ich gesagt habe, damit fängst du jetzt auch an. Das mit der Langdistanz (Iron Man Triathlon) hat jedoch einen ganz anderen Grund, ich war 2001 schwer krebskrank und habe damals das Buch von Lance Amstrong „Tour meines Lebens“ gelesen. Da habe ich mir gesagt, wenn ich eines schaffen will, dann irgendwann mal so eine Langdistanz und das war meine Motivation. Das erste Jahr 2001 ging natürlich noch gar nicht, dann kam das antrainieren und 2003 folgte die erste Staffelteilnahme. 2002 war die Chemotherapie abgeschlossen und dann lag das im Rahmen des Möglichen, 2004 erfolgte dann die erste Einzelteilnahme.


Nolte: Gibt es einen Triathlon, den Sie immer noch mal machen möchten?


Zidorn: Ja, ich denke jeder träumt von Hawaii, für mich ist dieser Traum ja fast schon in Erfüllung gegangen, ich konnte dieses Jahr starten, zwar auf der Halbdistanz, aber es war Hawaii. Das war schon ein ganz tolles Erlebnis. Natürlich hatte ich insgeheim auf einen Startplatz für den ganz großen gehofft und ich bin einen Platz daran vorbeigerutscht, der erste jeder Altersgruppe konnte sich für diesen Wettkampf qualifizieren und das war in meiner Altersgruppe ein Argentinier, ich wurde Zweiter, also knapp daneben. Hätte mich sicherlich riesig gefreut, aber das ist nun nicht das ultimative Ziel, es ist ein Traum, so kann man das sicherlich bezeichnen.


Nolte: Also ist Hawaii schon das non plus ultra in der Szene?


Zidorn: Hawaii ist das non plus Ultra, Hawaii ist wie für einen Tennisspieler einmal in Wimbledon zu spielen und für einen Radfahrer einmal die Tour de France zu fahren.


Nolte: Vielen Dank für das Gespräch und vorab viel Erfolg beim 7. OstseeMan am 3. August in Glücksburg.


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