4. Energieforum der Stadtwerke Flensburg (Foto: Alexander Thomsen)
4. Energieforum der Stadtwerke Flensburg (Foto: Alexander Thomsen)
4. Energieforum der Stadtwerke Flensburg (Foto: Alexander Thomsen)
Maik Render neuer technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg (Foto: Alexander Thomsen)
4. Energieforum der Stadtwerke Flensburg (Foto: Alexander Thomsen)
Wesentliche Kennzahlen der Stadtwerke Flensburg (Quelle: Stadtwerke Flensburg)
Brennstoffbasis bereits verbreitert (Quelle Stadtwerke Flensburg)
Weitere Projekte in Planung (Quelle: Stadtwerke Flensburg)
Vision und Plan der Stadtwerke Flensburg (Quelle: Stadtwerke Flensburg)
Bevölkerungsentwicklung der Stadt Flensburg bis 2050 (Quelle: Pestel Institut, Hannover)
Wohnungsbestandsentwicklung der Stadt Flensburg bis 2050 (Quelle: Pestel Institut, Hannover)
Fernwärmeabsatz in der Stadt Flensburg bis 2050 (Quelle: Pestel Institut, Hannover)
Der erste Referent des Abends Ministerialdirigent Dr. Gustav W. Sauer, Abteilungsleiter „Technologie und Energie“ aus dem Kieler Wirtschaftsministerium sprang kurzfristig für die Staatssekretärin Dr. Cordelia Andreßen ein, die sich entschuldigen ließ. Dr. Sauer stellte die energiepolitischen Eckpfeiler der neuen Kieler Landesregierung vor, die vom Kabinett am 23. März diesen Jahres verabschiedet wurde.
"Die Oberziele der Energiepolitik der Landesregierung sind Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit." so Dr Sauer.
Im Zentrum stehen:
Ausbau der Erneuerbaren Energien, Energieeinsparung und Energieeffizienzsteigerung, Förderung eines ausgewogenen Energiemix, Unterstützung des Netzausbaus, Förderung des Wettbewerbs auf den Energiemärkten, eine zuverlässige Energieaufsicht zur Sicherung der Energieversorgung sowie Innovationen im Energiesektor.
Erneuerbare Energien
Im Jahr 2020 wird in Schleswig-Holstein deutlich mehr als 100% des heimischen Stromverbrauchsäquivalents aus erneuerbaren Energien erzeugt. Somit kommt Schleswig-Holstein eine wichtige Versorgungsfunktion zu und wird zum Strom-Exporteur. Allein aus Windenergie wird im Jahre 2020 in Schleswig-Holstein voraussichtlich doppelt soviel Strom erzeugt wie im Lande verbraucht wird:
Landwind: 6.500 MW 15 TWh
Offshorewind: 3.159 MW 13 TWh
Verbrauch: 2.000 MW 15 TWh
Die politische Rangfolge der regenerativen Energieträger der Landesregierung ist:
- Windenergie - Biomasse - Geothermie und Solarthermie - Wasserkraft und Photovoltaik
Windenergie:
Ziel sei die Aufhebung der Begrenzung von Eignungsflächen für die Windenergie von derzeit 1 % der Landesfläche, Bündelung der Aktivitäten aller Akteure in einer schleswig-holsteinischen Gesamtstrategie für die Offshore-Windenergienutzung, Ausbau der Stromnetze für die verstärkte Nutzung der Windenergie, Unterstützung von Technologien zur Speicherung und alternativen Nutzung von Windstrom.
Biomasse:
Bei der Biomasse hat Erzeugung von Nahrungsmitteln Vorrang vor der Energiepflanzen-produktion und die Gewinnung der Biomasse muss den Kriterien der Nachhaltigkeit genügen. Ein wichtiger Punkt ist ebenfalls die Kraft-Wärme-Kopplung, da eine ausschließliche Nutzung von Heizenergie oder Stromgewinnung ineffizient sei.
Solarthermie hat Vorrang vor Photovoltaik:
Die Landesregierung gibt der Solarthermie (Brauchwassererwärmung und Heizungsunterstützung) klare Priorität vor der Photovoltaik.
Photovoltaik steuert in Schleswig-Holstein kaum zur Stromerzeugung und zum Klimaschutz bei. Die nationale Höhe der Förderung der Photovoltaik im Rahmen des EEG ist mit Blick auf die starke Preissenkung der Module zu hoch.
Energieeinsparung und Effizienz:
Die Landesregierung möchte den Energieverbrauch bis zum Jahr 2020 in den eigenen Liegenschaften um insgesamt bis zu 40% im Vergleich zu 1990 senken. Eine Energieeffizienz-Initiative die von 2008 bis 2010 läuft soll Effizienzpotenziale lokalisieren und deren wirtschaftliche Erschließung unterstützt werden. Eine Modellregion soll zur Erprobung dezentraler Energieversorgungsstrukturen, Kraft-Wärme-Kopplung und zur Entwicklung kommunaler Energiekonzepte ausgewählt und unterstützt werden.
Energiemix:
Bis zum Jahr 2020 werden regenerative Energien kein vollständigen Ersatz für konventionelle Energieträger sein können. Für die anstehende Erneuerung des Kraftwerkparks kommt demnach auch der Neubau von Kohlekraftwerken in Betracht. Kernkraft ist eine Brückentechnologie, die schrittweise durch erneuerbare Energien verlässlich ersetzt wird. Die Landesregierung spricht sich dafür aus, Reststrommengen von älteren auf jüngere Kernkraftwerke zu übertragen. Sie erwartet, das dies innerhalb der Kernkraftwerke in Schleswig-Holstein geschieht, auch wenn die Restlaufzeitverlängerungen über das derzeit im Atomgesetzt fixierte Maß hinaus geht.
Angesichts einer solchen Restlaufzeitverlängerung ist mit der betroffenen Stromwirtschaft auch eine Abschöpfung der zu erwartenden zusätzlichen Stromerlöse auszuhandeln. Schleswig-Holstein plädiert dafür, diese Mittel zugunsten der Förderung von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, von Speicher-, Transport- und Leitungstechnologoen sowie der Versorgungssicherheit der Energieinfrastruktur einzusetzen.
Netzausbau
Ziel der Landesregierung ist die zügige Netzanbindung der Offshore-Windparks und der Ausbau der Stromnetze in Schleswig-Holstein, um die Weiterleitung des hier erzeugten Windstroms in die Verbraucherschwerpunkte in Süd- und Westdeutschland zu gewährleisten.
Förderung des Wettbewerbs / Regulierung
Die Landesregierung unterstützt die Bemühungen der Bundesregierung, den Wettbewerb auf den Gas- und Strommärkten zu intensivieren und damit stabile und günstige Energiepreise zu erhalten.
Innovationen
Das Land fördert die Entwicklung neuer Technologien im Energie- und Umweltbereich
Die Innovationsstiftung Schleswig-Holstein fördert für fünf Jahre eine Stiftungsprofessur an der Fachhochschule Flensburg, die danach von der Fachhochschule übernommen wird. Von besonderer Bedeutung ist die Einführung und Entwicklung von Energiespeichertechnologien, für fluktuierende Erneuerbare Energien. Hierzu zählen unter anderem Druckspeicherkraftwerke, Pumpspeicherkraftwerke, Redox-Flow-Batterien, modulare Batteriespeichersysteme für automobile Anwendungen sowie Elektrolyse-Wasserstoff-Brennstoffzellen.
Geschäftsführer der Stadtwerke Flensburg Matthias Wolfskeil gab als zweiter Referent des Abends einen Überblick über die Kernaktivitäten des Unternehmens, des Flensburger Energiekonzeptes sowie über das "greenconcept" mit dem ambitionierten Ziel das Kraftwerk bis zum Jahre 2050 CO2 neutral zu betreiben.
Die Stadtwerke Flensburg als 100% Tochter der Stadt Flensburg versorgt etwa 110.000 Einwohner. Die Kernaktivitäten sind der Betrieb der Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlage, zur Erzeugung von Strom und Fernwärme. Weitere Bereiche sind Gas und Wasserversorgung, Beteiligungen an und Kooperationen mit anderen Unternehmen sowie der Stromhandel.
2008 erzielte der Stadtwerke Konzern mit 1020 Mitarbeitern einen Umsatz ohne Ökosteuer von 223,97 Mio. € Produzierte 869,33 Mio. kWh Strom und 931,06 Mio. kWh Fernwärme. Das ca. 600 km Fernwärme-Leitungsnetz ist das viertlängste in Deutschland, erreicht eine Abdeckung von erstaunlichen 98% und zählt seit Jahren zu den drei günstigsten Anbietern in Deutschland.
Das Konzept im Konzept: das "greenconcept"
Ziel des "greenconcept" ist die Stufenweise Umstellung von Steinkohle auf regenerative Brennstoffe im Kraftwerk. Die Hafenlage in Flensburg macht eine umweltschonendere Anlieferung von Brennstoffen möglich. Bis zum Jahr 2050 soll durch regenerative nachhaltig gewonnene Brennstoffe (hauptsächlich Frischholz) eine CO2 Neutralität erreicht werden. In dem Zeitraum von 2007 - 2009 sind durch den Einsatz von EBS (Ersatzbrennstoffe) welches zu 75% aus erneuerbaren Brennstoffen besteht und dem Einsatz von HHS (Holzhackschnitzel) knapp 60.000 t CO2 am Flensburger Standort eingespart worden.
Neuer technischer Geschäftsführer Maik Render
Bei dieser Gelegenheit stellte Matthias Wolfskeil den neuen technischen Geschäftsführer Maik Render vor. Herr Render soll maßgeblich dazu beitragen, die mittel und langfristig anstehenden Investitionen am Standort Flensburg und Umbaumaßnahmen des Heizkraftwerkes sowie den Ausbau des Energieerzeugungsmixes außerhalb der Fördestadt voranzutreiben.
Der dritte Referent des Abends Matthias Günther vom Pestel Institut Hannover stellte eine von den Stadtwerken Flensburg in Auftrag gegebene Studie vor, die die Perspektiven der Fernwärmenutzung in der Region Flensburg unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung bis 2050 beleuchtet. Matthias Günther: " Bei der Beurteilung der Eintrittswarscheilichkeit der Prognosen, wie bei allen Langzeitstudien müsse man Unwägbarkeiten mit einbeziehen. Die günstigste Erwartung gehe von einem etwa gleichbleibendem Färnwärmeabsatz bis 2050 aus, die ungünstigste Variante von einem 50% Rückgang. Unterm Strich ist das Ergebnis der Untersuchung, dass die Fernwärme für die Stadtwerke Flensburg kein Wachstumsbereich darstellt."
Unterschiedliche Faktoren beeinflussen die Entwicklung
Eine Ausweitung des Wärmenetzes über Flensburg hinaus sei nur bedingt möglich und bei der hohen Anschlussdichte kaum gegeben. Daher sei die Stadtwerke-Strategie, sich außerhalb von Flensburg an Kraftwerken oder dezentralen Energieerzeugungsanlagen zu beteiligen und energienahe Wachstumsfelder zu suchen, richtig. Langfristig sei bis 2050 trotz gleichbleibender Bevölkerungszahl, mehr und größeren Wohneinheiten mit einem Rückgang des Fernwärmeabsatzes zu rechnen. Dies habe auch mit der europäischen und deutschen Bau- und Umwelt-Gesetzgebung sowie dementsprechenden Entwicklungen hin zu Niedrig- oder Nullenergiehäusern zu tun (Ab 2010 dürfen öffentliche Gebäude laut Beschlusslage der EU nur nochals "Nahe-Null-Energie-Häuser" errichtet werden. Ab 2021 gilt dieser Standard auch im Wohnungsbau.). Die klimapolitische Absicht, insgesamt zunehmend mehr Energie einzusparen, werde sich ebenfalls auswirken
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